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interview derive
published 02.05.2004

Guerilla Lady:
Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass ich als Einzelperson nicht für ein ganzes Kollektiv sprechen kann. Das ist ein ganz zentraler Punkt: die Heterogenität des Organisationsteams. Die Beteiligten kommen aus unterschiedlichen Zusammenhängen und haben mitunter auch verschiedene Vorstellungen wie so ein Projekt konkret funktionieren soll.

dérive: Wie organisiert ihr denn?

G. L.:
Prinzipiell arbeiten wir basisdemokratisch im Kollektiv. Es gibt regelmäßig stattfindende Plena, an denen alle wichtigen Entscheidungen diskutiert und getroffen werden.
Das wichtige und zugleich schwierige daran - finde ich - ist eben diese Heterogenität anzunehmen und fruchtbar zu machen. Das heißt sie nicht aufzulösen und zu homogenisieren, die verschiedenen Ansätze zu vereinheitlichen, sondern diese Vielfältigkeit abzubilden und auch in die Gestaltung des konkreten Festivals einfließen zu lassen.

dérive: Ist das nicht ein sehr mühsamer Weg, kommen dabei auch Entscheidungen zustande?

G. L.:
Natürlich müssen dabei, um arbeitsfähig zu bleiben, auch Entscheidungen getroffen werden, was oft sehr lange dauert, aber der Diskussionsprozess ist das eigentlich Entscheidende (im doppelten Wortsinn). Auch bei diesen Beschlüssen versuchen wir die Unterschiede in den Meinungen nicht zu nivellieren, sondern eher abzubilden.

dérive: Wie soll denn das konkret ausschauen?

G. L.:
Ein ganz gutes Beispiel dafür sind unsere Logos. Wir haben nicht ein Logo, sondern neun verschiedene. Das soll einerseits uns als vielgestaltiges Team repräsentieren und andererseits das Konzept der Corporate Identity unterlaufen. Natürlich verlieren wir dadurch viel an Wiedererkennungswert, aber genau darum soll es ja auch gehen: Gängigen - leider auch im kritischen, politisch aktiven Kulturbetrieb gebräuchlichen - Strategien zu widersprechen und zu umgehen, die auf marktorientierte Verwertungspotentiale ausgerichtet sind. Und dazu zählen eben auch Logos, Namen und all das kulturelle und soziale Kapital, das daraus geschlagen werden kann.

dérive: Das klingt ja nach einem sehr dynamischen Prozess? Wie sehen denn eigentlich die Strukturen aus, die hinter Euren Projekten stehen?

G. L.:
Einerseits wollen wir eine Plattform schaffen für alle, die künstlerisch und kulturell tätig sein wollen, unabhängig von ihrer Professionalität und von ihren Ressourcen. Andererseits haben alle im Organisationsteam unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten bespielsweise im Organisieren von Konzerten, im Abwickeln von Öffentlichkeitsarbeit, Leute mobilisieren etc.
Dabei geht es sehr stark darum Netzwerke zu entwickeln, auch auf der informellen Ebene. Oft muss mensch ja entweder eine Ausbildung zumindest begonnen haben oder sich lange genug in einem bestimmten Umfeld aufhalten, um Strukturen kennenzulernen und Zugänge zu bekommen. Dazu wollen wir Alternativen etablieren, zum Beispiel indem wir einen Aufruf gestartet haben, Filme einzuschicken, bei dem wir nur thematische Vorgaben machen und keine nach Professonalität.

dérive: Läuft alles unter der Prämisse 'Do it yourself' und wird dadurch auch das Handlungspotential forciert?

G.L.:
Ja ganz genau! Es geht darum die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, bei aller Möglichkeit des Scheiterns es einfach mal zu probieren und die eigenen Ideen Gestalt annehmen zu lassen. Damit wollen wir vor allem in den öffentlichen Raum gehen, ihn erobern und besetzen.

dérive: Wie soll das gelingen, wenn das Ladyfest nur drei Tage dauert?

G.L.:
Ich glaube in der temporären Beschränkung liegt auch eine Chance. So können wir vielleicht Orte wie z. B. die Künstlerhauspassage in Beschlag nehmen, neu besetzen und inhaltlich umdeuten, was längerfristig wahrscheinlich nicht machbar wäre. Das hei§t aber, dass wir diese Orte schon nachhaltig verändern wollen. Wir wollen dort nicht nur Spuren hinterlassen, sondern den Bedarf für nichtkommerzielle, securityfreie und selbstbestimmbare Räume aufzeigen. Dabei wurde schon diskutiert, wie weit es möglich ist, in bestehende Strukturen hineinzugehen und diese umzudeuten oder ob mensch damit nicht viel eher vereinnahmt wird und als politisch korrektes Feigenblatt verwendet wird.

derive: Bezieht ihr den öffentlichen Raum da auch mit ein?

G.L.:
Ja, das möchten wir auf jeden Fall. Dazu wird es Projekte geben, worüber wir gerne in der nächsten dérive Ausgabe sprechen können.

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