?propaganda? bilder vom ladyfest LoGos Plakate/ posters solizeug





 
?propaganda?
published 04.01.2004

als gruppennamen haben wir deshalb „propaganda“ gewählt, um die manipulierende und wirklicher befreiung entgegenwirkende funktion von „Propaganda“ zu problematisieren.
entgegen einer gleichförmigen propaganda, die mit nur einer stimme spricht, wollen wir einer vielfalt von meinungen und auffassungen raum geben um zur auseinandersetzung und diskussion anzuregen

hier ein zitat aus adorno/horkheimer (dialektik der aufklärung 1947) als diskussionsgrundlage

Propaganda

„Propaganda für die Änderung der Welt, welch ein Unsinn! Propaganda macht aus der Sprache ein Instrument, einen Hebel, eine Maschine. Propaganda fixiert die Verfassung der Menschen, wie sie unterm gesellschaftlichen Unrecht geworden ist, indem sie sie in Bewegung bringt. Sie rechnen damit, daß man mit ihnen rechnen kann. Im tiefsten weiß jeder, daß er durch das Mittel selber zum Mittel wird wie in der Fabrik. Die Wut, die sie in sich spüren, wenn sie ihr folgen, ist die alte Wut gegen das Joch, durch die Ahnung verstärkt, daß der Ausweg, den die Propaganda weist, der falsche ist. Die Propaganda manipuliert die Menschen; wo sie Freiheit schreit, widerspricht sie sich selbst. Verlogenheit ist unabtrennbar von ihr. Die Gemeinschaft der Lüge ist es, in der Führer und Geführte durch Propaganda sich zusammenfinden, auch wenn die Inhalte als solche richtig sind. Noch die Wahrheit wird ihr ein bloßes Mittel, zum Zweck, Anhänger zu gewinnen, sie fälscht sie schon, indem sie sie in den Mund nimmt. Deshalb kennt wahre Resistenz keine Propaganda. Propaganda ist menschenfeindlich. Sie setzt voraus, dass der Grundsatz, Politik solle gemeinsamer Einsicht entspringen, bloß eine facon de parler sei.
In einer Gesellschaft, die dem drohenden Überfluß wohlweislich Grenzen setzt, verdient, was jedem von anderen empfohlen wird, Misstrauen. Die Warnung gegenüber der Geschäftsreklame, dass kein Unternehmen etwas verschenkt, gilt überall, nach der modernen Fusion von Geschäft und Politik vorab gegen diese. Das Maß der Anpreisung nimmt zu mit der Abnahme der Qualität, anders als ein Rolls Royce ist der Volkswagen auf Reklame angewiesen. Die Interessen von Industrie und Konsumenten harmonieren nicht einmal, wo jene ernsthaft etwas bieten will. Sogar die Propaganda der Freiheit kann sich als verwirrend herstellen, sofern sie die Differenz zwischen der Theorie und der partikularen Interessenlage der Angeredeten nivellieren muß. Die in Deutschland erschlagenen Arbeiterführer wurden vom Faschismus noch um die Wahrheit ihrer eigenen Aktion betrogen, weil jeder die Solidarität durch die Selektion der Rache Lügen strafte. Wenn der Intellektuelle im Lager zu Tode gequält wird, brauchen die Arbeiter draußen es nicht schlechter zu haben. Der Faschismus war nicht dasselbe für Ossietzky und das Proletariat. Die Propaganda hat beide betrogen.“

Quelle: Theodor W. Adorno/Max Horkheimer: Dialektik der Aufklärung, In: Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, Band 3, Frankfurt am Main 1997