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|Deutsch| was heisstn lady
published 03.02.2004

We don't play guitar - BUT...

Später Nachmittag. Noch etwas benommen von den ungeahnten Möglichkeiten feministischer Selbstverteidigung sitzen wir im Diskussions- Panel zum Thema "die Grenzen von Identitätspolitik". Leichte Anfälle von Müdigkeit werden mit Koffeinhaltigem aus dem Infocafe hinuntergespült, Ausstellungen und Performances, das Filmprogramm und endlich- das Essen aus der Volxküche, füllen die Zeit bis allabendliche Konzerte die Nacht zum Tag machen. So ähnlich könnte das Ladyfest in Wien ablaufen, an der Realisierung dieser Idee arbeitet soeben eine Gruppe von Interessierten. Doch was verbirgt sich hinter diesem Namen und wer oder was ist eine Lady?

Sommer 2000 in Olympia, Washington. Zehn Jahre nach den Anfängen der Riot Grrrl Bewegung fanden es Aktivistinnen an der Zeit, der Reduktion feministischer Inhalte auf konsumkompatible Slogans etwas entgegen zu halten. Dass das Festival zur großen Erfindung avancieren würde, war zu Beginn nicht absehbar. Doch bereits im nächsten Jahr griffen Frauen in anderen Städten der USA und auch in Europa (Glasgow 2001) das Konzept auf, übernahmen den Titel und verbreiteten die Idee. Neben den USA und Kanada feierten 2002 auch Ladyfestinfizierte in Jakarta/Indonesien. Gefolgt von Amsterdam und Belgien, London sowie Hamburg, wo 2003 das erste Festival im deutschsprachigen Raum über die Bühne ging.

"Don't fall in love with the guitarist - be the guitarist!"
Der Titel des Festivals drückt aus, worum es geht: Ladies erobert die Bühne, die Turntables, die Kamera und das Mischpult! Zeigt eure politischen, künstlerischen und organisatorischen Fähigkeiten!
Repräsentation der sonst Unterrepräsentierten also, Frauen, die ansonsten stereotyp in Erscheinung treten, wenn von Musen geschwärmt wird, Groupies von ferne ihren Superstar anhimmeln oder wenn schlicht Jacken für performende Boyfriends gehalten werden.
Gelegentlich ist allerdings nicht mehr so klar ist, was sich hinter "Frau" verbergen soll. Mit dem Begriff "Lady" ist dies nun auch nicht mehr unbedingt notwendig. Denn die bürgerliche Weiblichkeit - die feine, wohlerzogene, feminine Frau - für die er steht, kann damit ohnehin nicht affirmativ gemeint sein. Vielmehr bietet die ironische Selbstbezeichnung und Aneignung eines respektablen Begriffs die Möglichkeit, sie zu unterwandern. Eine Lady muss nicht mehr um Anerkennung kämpfen und kann sich daher mehr erlauben. Möglicherweise sogar über das "Frau-Sein" hinaus.

Neben Identitätsbezügen und der Kritik an klassischen Rollen von Frauen in der Musik und der Ermutigung, sie zu verlassen, geht es beim Ladyfest auch um die Idee von Partizipation statt Konsum. Das Do it Yourself der Punkbewegung ist grundlegend. Von der Organisationsarbeit bis zum Spoken Word Auftritt mit den bis dato unterm Bett gebunkerten eigenen Gedichten.
Dazu gehört auch der Anspruch, ein möglichst antikommerzielles Festival zu machen. Das drückt sich aus in der Preispolitik, die möglichst vielen Interessierten die Teilnahme ermöglichen soll, und in der Nutzung alternativer Infrastruktur, aber auch in ehrenamtlicher Arbeit, die zusätzlich zu diversen Geld-Jobs unbezahlt geleistet wird.
Nicht die Integration in die Musikindustrie ist das Ziel, sondern die Infragestellung von gesellschaftlichen Strukturen über den Kunstbetrieb hinaus. Mal mehr und mal weniger zentral beinhalten Ladyfeste immer auch politische Workshops und Diskussionsveranstaltungen. Die Themen dabei verorten die Feste in der Vielzahl aktueller feministischer Debatten und Differenzen und radikaler linker Politik von Antirassismus bis Popkultur.

Ansonsten ist "Ladyfest" kein Logo, das so was wie "corporate identity" schaffen soll. Was tatsächlich jeweils als Ladyfest stattfindet, hängt stark mit den lokalen Kontexten zusammen, die bereits etabliert sind und auf die zurückgegriffen wird. Während etwa in Amsterdam das Festival in der BesetzerInnenszene verortet ist, deren Themen sich in Workshops und Lokalwahl widerspiegeln, stellen andere Organisatorinnen ihr Projekt mehr in den Kontext von Kultur- und Kunstbetrieb off mainstream.
Von den Beteiligten und ihren politischen Ideen lebt das Festival. Wie sich das Ladyfest Wien im hiesigen Kontext bewegen wird, ist work in progress.

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